Wie eine Mail meinen Urlaubsmodus gekillt hat – und was Meditation damit zu tun hat
Heute möchte ich mich auf meiner Yogaseite mit dem Thema befassen, wie schwer es ist, in der Mitte zu bleiben. Denn so häufig lassen wir unsere Stimmung vom Außen kippen. Dabei kann uns Achtsamkeit, das Leben im Moment, Yoga und Meditation helfen. Aber erstmal zu meinem persönlichen Erfahrungsbericht.
Kennst du das? Eigentlich ist alles gut. Du bist entspannt, zufrieden und irgendwie noch ganz bei dir. Und dann schaust du aufs Handy.
Genau so ging es mir auf dem Rückweg von unserem Urlaub in Grömitz.
Vom Urlaubsmodus ins Gedankenkarussell
Ich war noch total im Urlaubsmodus. Im Kopf war ich irgendwie noch an der Ostsee. Dachte an den Strand, ans Meer und an diese herrlich langsamen Tage. An denen man irgendwann gar nicht mehr genau weiß, welcher Wochentag eigentlich ist. Was habe ich die intensive Familienzeit genossen. Lange frühstücken, abends Spiele auf unserer Dachterrasse machen und mit den Kindern lachen und quatschen. Auch Gassi gehen mit Billy Jean war an der Promenade einfach noch schöner.
Und dann kam diese Mail.
Eine Mail – und plötzlich war meine gute Stimmung weg
Uns wurde mitgeteilt, dass wir die Spülmaschine in unserer Ferienwohnung angeblich nicht ausgeräumt hätten und dass wir deshalb noch einmal 61 Euro bezahlen sollten.
Und ich dachte nur: Bitte was?
Denn wir hatten die Spülmaschine ausgeräumt. Immerhin habe ich sie danach nochmal ausgewischt. Denn diese Spülmaschine war schon etwas älter und hat teilweise Dreck verteilt statt beseitigt. Nun ja, wir haben die Ferienwohnung wegen des Ausblicks und der Dachterrasse gebucht. Außerdem hatten wir bereits 97 Euro für die Endreinigung bezahlt, und deshalb hat mich diese Nachricht gleich doppelt geärgert.
Und zack – mein schöner Urlaubsmodus war für einen Moment dahin. Mein Mann sagt mir häufig, dass ich doch mal die Tipps anwenden soll, die ich als Yogalehrerin anderen Menschen gebe. Stimmt, das sollte ich tun und trotzdem gelingt es mir häufig nicht.
Ich fing an, über die Sache nachzudenken. Ich ging im Kopf noch einmal durch, wie wir die Wohnung verlassen hatten. Und ich überlegte, was ich antworten sollte. Des Weiteren ärgerte ich mich darüber, dass so etwas ausgerechnet jetzt kommen musste.
Dabei saß ich immer noch im Auto auf dem Rückweg von einem wunderschönen Urlaub.
Das Meer war zwar inzwischen hinter mir, aber die Entspannung hätte ich eigentlich problemlos noch ein bisschen mitnehmen können. Wenn ich sie denn gelassen hätte.
Ja, so etwas passiert auch einer Yogalehrerin
Vielleicht denkst du, dass ich als Yogalehrerin in solchen Situationen tief ein- und ausatme, sanft lächle und mir denke: „Ich lasse los.“
Natürlich kenne ich die ganzen Werkzeuge. Denn diese waren Teil meiner wundervollen Ausbildung zur Yogalehrerin. Ich leite jede Woche intuitiv Meditationen an, praktiziere Yoga und beschäftige mich viel mit Achtsamkeit. Und trotzdem bin ich ein Mensch.
Auch ich ärgere mich über eine blöde Mail. Auch ich fühle mich ungerecht behandelt. Und auch meine Gedanken können anfangen, sich um etwas zu drehen, obwohl fünf Minuten vorher noch alles wunderbar war.
Aber genau darin liegt für mich eine der wichtigsten Lektionen aus Yoga und Meditation: Es geht nicht darum, sich niemals mehr zu ärgern. Es geht darum, zu bemerken, was gerade mit mir passiert – und dann bewusst zu entscheiden, wie viel Raum ich diesem Ärger geben möchte.
Am Donnerstag habe ich die Meditation in meinen Kurs im Verein balance your way noch so eingeleitet, dass wir unsere Gedanken beobachten, ohne sie zu bewerten. Einfach benennen: Ärger, Chaos, Freude, Dankbarkeit.
Wie viel Macht geben wir eigentlich einer Nachricht?
Das Spannende ist nämlich: In dem Moment, bevor ich die Mail gelesen hatte, war ich zufrieden.
Und wenige Sekunden später war die Situation um mich herum eigentlich immer noch dieselbe. Nur meine Gedanken waren plötzlich woanders.
Vielleicht kennst du das ebenfalls.
Du sitzt gemütlich beim Frühstück und liest eine Nachricht, die dich ärgert. Du bist mit deinem Hund im Wald und schaust „nur ganz kurz“ aufs Handy. Oder du liegst abends entspannt auf dem Sofa und öffnest noch schnell deine Mails.
Und plötzlich bist du gedanklich in einem Problem, das vorher überhaupt nicht da war.
Genau deshalb finde ich es mittlerweile so wichtig, mir bewusst zu machen: Nicht jede Nachricht verdient sofort meine Aufmerksamkeit. Und schon gar nicht meine komplette Stimmung.
Erst einmal zurück in den Moment
Wenn mich etwas emotional erwischt, hilft mir eine ganz einfache Sache: Ich konzentriere mich auf meinen Atem.
Das ist eigentlich auch ganz einfach. Nicht zu kompliziert und doch atmen wir hektischer, wenn wir uns ärgern.
Ich atme langsam ein und noch etwas langsamer wieder aus. Und währenddessen versuche ich wahrzunehmen, was jetzt gerade tatsächlich da ist.
Was sehe ich? Was höre ich? Wie fühlt sich mein Körper an? Wo bin ich gerade?
Denn häufig findet das Problem in diesem Augenblick gar nicht statt. Bei mir war da nicht die Ferienwohnung, nicht die Spülmaschine und auch niemand, der 61 Euro von mir verlangte. Ich war auf dem Heimweg mit meiner Familie.
Das war meine Realität in diesem Moment.
Der Rest steckte gerade vor allem in meinem Kopf.
Du musst nicht sofort reagieren
Das ist übrigens etwas, was ich selbst immer wieder üben darf: Nicht jede Mail braucht sofort eine Antwort. Vor allem dann nicht, wenn ich gerade emotional bin.
Ich hatte schnell geantwortet, während ich sauer gewesen bin. Weil ich eben auch nur ein Mensch bin. Besser ist es natürlich, erstmal tief ein und auszuatmen.
Denn wenn wir uns ärgern, wollen wir häufig sofort erklären, richtigstellen oder uns verteidigen. Und manchmal schreiben wir dann Dinge, die wir eine Stunde später viel gelassener formulieren würden.
Deshalb kann es helfen, das Handy einfach wegzulegen. Die Mail läuft nicht weg. Das Problem meistens auch nicht. Aber meine Stimmung kann sich wieder verändern.
Und wenn ich später mit etwas Abstand antworte, fühlt sich die Situation häufig schon wesentlich kleiner an. Wir haben den Betrag inzwischen gezahlt. Denn wir möchten die Ferienwohnung die nächsten Jahre noch einmal besuchen und dann einfach eine gute Stimmung haben, wenn wir die Schlüssel dafür holen.
Meditation bedeutet für mich nicht, dass mich nichts mehr aufregt
Ich glaube, wir haben manchmal eine etwas falsche Vorstellung von Meditation. Als müssten Menschen, die regelmäßig meditieren, irgendwann über allem schweben und dürften sich über nichts mehr aufregen.
Für mich ist eher das Gegenteil der Fall. Meditation hilft mir nicht dabei, keine Gefühle mehr zu haben. Sie hilft mir dabei, meine Gefühle früher wahrzunehmen. Ich kann bemerken: Okay, gerade werde ich richtig sauer.
Und gleichzeitig kann ich beobachten: Meine Gedanken hängen jetzt seit zehn Minuten an dieser einen Mail. Allein dieses Wahrnehmen schafft bereits ein bisschen Abstand.
Ich bin dann nicht nur mein Ärger, sondern ich bemerke meinen Ärger.
Und genau da entsteht für mich Freiheit.
Was ist JETZT gerade wirklich wichtig?
Eine Frage, die ich in solchen Situationen sehr hilfreich finde, lautet:
Was ist genau jetzt gerade wirklich wichtig?
Nicht heute Abend. Nicht morgen. Nicht nächste Woche.
Jetzt.
Manchmal muss tatsächlich sofort etwas geklärt werden. Aber erstaunlich oft lautet die Antwort: eigentlich gar nichts.
Dann darf die Mail eben zwei Stunden warten, während ich schwimmen gehe, mit meinen Kindern esse, Yoga mache, mit meinem Hund spazieren gehe oder einfach meinen Kaffee genieße.
Denn dieser Moment kommt nicht zurück.
Die Mail ist später immer noch da.
Mein kleiner Urlaubsmodus-Weckruf
Im Nachhinein war diese Geschichte für mich deshalb fast schon eine kleine Achtsamkeitsübung.
Nicht unbedingt eine, die ich mir freiwillig ausgesucht hätte. Aber sie hat mir wieder gezeigt, wie schnell wir einem äußeren Reiz erlauben können, unseren inneren Zustand zu verändern. Und wie wertvoll es ist, genau das zu bemerken.
Vielleicht können wir nicht verhindern, dass unangenehme Mails kommen, Menschen uns nerven oder Dinge anders laufen, als wir sie uns wünschen.
Aber wir können immer wieder zurückkommen.
Zum Atem.
Zum Körper.
Zu dem, was gerade um uns herum passiert.
Zum jetzigen Moment.
Und manchmal bedeutet Yoga eben nicht, entspannt auf der Matte zu sitzen.
Manchmal bedeutet Yoga auch, eine blöde Mail zu lesen, sich kurz richtig darüber aufzuregen – und dann das Handy wegzulegen und sich zu sagen:
Darum kümmere ich mich später. Jetzt bin ich hier. Denn in den Momenten, in denen wir uns ärgern, rauben wir uns schöne und wertvolle Momente.
Hier kommst du zu meiner kostenlosen Videothek zum Mitmachen. Die Termine für meine eigenen Retreats gibt es hier, damit du mit mir zusammen Yoga im Urlaub praktizieren kannst. Ich freue mich auf dich! Und du wirst sehen, dass ich auch nur ein Mensch bin.
Elischeba
Fotograf meiner Bilder in diesem Artikel: Matthias Mahnke
Folge mir auf Instagram und Facebook, damit wir in Verbindung bleiben.
Wenn du Reisevideos liebst, dann abonniere meinen YouTube Kanal ElischebaTV.
